Wenn der Junghund nicht mehr hört.

Wenn dein Junghund plötzlich nicht mehr hört

Wenn dein Junghund plötzlich nicht mehr hört

Vor ein paar Wochen war noch alles gut. Er kam, wenn du gerufen hast. Er hörte auf dich. Und jetzt? Dein Junghund hört nicht mehr. Wie ausgewechselt. Er schaut dich an, wenn du rufst – und macht trotzdem weiter, was er gerade tut. Als hätte jemand über Nacht die Verbindung gekappt. Du fragst dich: Habe ich etwas falsch gemacht? Ist meine ganze Erziehung umsonst? Die Antwort ist beruhigend: Nein. Dein Hund ist in der Pubertät – und das ist kein Rückschritt.

„Dein Junghund hat nicht vergessen, was er kann. Er kann es gerade nur schwerer abrufen. Das ist keine Erziehungsfrage – das ist Biologie.“

Junghund hört nicht mehr? Das passiert gerade in seinem Kopf

Zwischen dem Welpenalter und dem erwachsenen Hund liegt eine Phase, die vieles auf den Kopf stellt: die Pubertät, umgangssprachlich Flegelphase. Sie beginnt grob mit einem halben Jahr und zieht sich – je nach Rasse und Grösse – bis über den zweiten Geburtstag.

In dieser Zeit wird das Gehirn umgebaut. Der Teil, der für Impulskontrolle, Konzentration und das ruhige Abwägen zuständig ist, ist noch mitten im Umbau. Gleichzeitig fahren die Hormone hoch. Das Ergebnis: Dein Hund ist leichter ablenkbar, schneller aufgedreht und schwerer erreichbar – nicht aus Unwillen, einfach weil sein Kopf gerade auf einer anderen Baustelle ist.

Stell dir ein Funkloch vor. Du rufst, das Signal geht raus – und bei ihm kommt gerade nichts an. Er drückt dich nicht weg. Ihm fehlt in dem Moment schlicht der Empfang. Und wie im echten Funkloch hilft es null, lauter zu rufen.

Kennst du das von Menschen? Ein Teenager, der sich vor einem Jahr noch alles sagen liess und jetzt scheinbar über Nacht ein anderer ist? Genau das passiert gerade bei deinem Hund. Und wie bei Teenagern geht es vorbei.

Typisch für die Flegelphase

Der Rückruf, der eben noch sass, verpufft plötzlich

Er ist an Gerüchen, anderen Hunden und Reizen viel stärker interessiert als an dir

Er wirkt aufgedreht, überdreht, schlecht abschaltbar

Dinge, die er längst kannte, scheinen „vergessen“

Manche Junghunde werden auch wieder unsicherer und schreckhafter – auch das gehört dazu

Belegt durch Forschung: Dass Junghunde in der Pubertät vorübergehend schwerer auf ihre eigene Bezugsperson reagieren, ist wissenschaftlich dokumentiert – nachgewiesen bei rund acht Monate alten Hunden (Asher et al., Biology Letters, 2020).

Warum du nichts falsch gemacht hast

Das Erste, was ich Halterinnen und Haltern in dieser Phase sage: Atme durch. Du hast deinen Hund nicht „verzogen“. Du hast nichts kaputtgemacht. Was du gerade siehst, ist eine ganz normale Entwicklungsphase – kein Zeichen dafür, dass ihr auf dem falschen Weg wart.

Und noch etwas, das entlastet: Dein Hund wird in dieser Phase nicht „dominant“. Er testet auch keine Rangordnung aus und will dich nicht ärgern. Diese Erklärungen sind weit verbreitet – aber sie führen in die Irre. Dein Hund ist schlicht in einem Kopf-Zustand, in dem Selbstkontrolle gerade schwerer fällt.

Das Gelernte ist übrigens nicht weg. Es ist nur schwerer abrufbar – wie eine Datei, die noch da ist, aber gerade länger zum Laden braucht.

Ein Hinweis vorweg

Wenn dein Hund sich sehr plötzlich oder sehr stark verändert – auffällig ängstlich, schmerzempfindlich oder ganz anders als sonst –, dann lass das bitte einmal tierärztlich abklären, bevor ihr es der Pubertät zuschreibt. Nicht jede Veränderung ist Entwicklung; manches hat körperliche Ursachen.

Der häufigste Fehler in dieser Phase

Wenn der Hund „nicht mehr hört“, kommt fast reflexartig derselbe Ratschlag von allen Seiten: Mehr Konsequenz. Härter durchgreifen. Schleppleine dran und Rückruf drillen. Zeigen, wer der Chef ist.

Warum mehr Druck jetzt nach hinten losgeht

Dein Junghund ist gerade ohnehin verunsichert – Druck verschärft das, statt es zu lösen.

Härte in dieser sensiblen Zeit beschädigt genau das, worauf später alles aufbaut: euer Vertrauen.

Dauerdrill überflutet einen Kopf, der gerade weniger, nicht mehr Reize verarbeiten kann.

Der Reflex ist verständlich – aber er behandelt die Pubertät wie ein Disziplinproblem. Das ist sie nicht. Sie ist eine Phase, die ihr gemeinsam durchtragt, nicht wegtrainiert.

Was dein Hund jetzt wirklich braucht

Nicht mehr Kommandos. Nicht die härtere Hand. Eher das Gegenteil von dem, was die meisten empfehlen:

Ruhige Orientierung

Du bleibst der ruhige Fixpunkt, auch wenn er gerade wackelt. Nicht lauter, nicht härter – klarer und gelassener. Deine Ruhe ist in dieser Phase die wichtigste Information, die du ihm gibst.

Weniger Reiz, mehr Schlaf

Ein überdrehter Junghund braucht weniger Programm, nicht mehr. Echte Ruhephasen, genug Schlaf, reizärmere Tage. Ein übermüdetes, überflutetes Gehirn kann nicht zuhören – egal wie oft du übst.

Und ganz praktisch für den Alltag: Erwarte gerade nicht die Zuverlässigkeit von vor drei Monaten. Sichere ihn dort, wo es drauf ankommt, statt ihn in Situationen zu bringen, in denen er nur scheitern kann. Nicht, weil er es nicht lernen soll – einfach damit er in dieser Phase nicht ständig die Erfahrung macht, dass er dich überhört.

Die Pubertät ist kein Rückschritt.
Sie ist die Zeit, in der sich entscheidet,
ob aus Gehorsam echte Beziehung wird.

Ehrlich: Aussitzen allein reicht nicht

„Das wächst sich raus“ stimmt – aber nur halb. Die Phase geht vorbei, ja. Aber wie du deinen Hund durch sie hindurch begleitest, prägt den erwachsenen Hund, der danach übrig bleibt. Wer jetzt mit Druck arbeitet, hat später oft einen misstrauischeren Hund. Wer jetzt ruhig und verlässlich bleibt, hat später oft einen, dessen Bindung durch genau diese Zeit stabiler geworden ist.

Das ist die eigentliche Chance dieser anstrengenden Monate. Und es ist auch der Punkt, an dem ein Blog-Artikel aufhört: Wie du für deinen Hund und in deiner Situation genau diese ruhige Orientierung aufbaust – Struktur, Reizmanagement, Beziehung – das schauen wir uns gemeinsam an. Denn das ist individuell, nicht von der Stange.

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Häufige Fragen zur Pubertät beim Hund

Wie lange dauert die Pubertät beim Hund?

Das ist individuell. Sie beginnt grob mit einem halben Jahr und kann sich – je nach Rasse und Grösse – bis über den zweiten Geburtstag ziehen. Kleine Hunde sind meist früher durch, grosse später. Wichtiger als die genaue Zahl ist, was in dieser Zeit zwischen euch passiert.

Ist mein Junghund jetzt dominant oder stur?

Nein. In der Pubertät wird das Gehirn umgebaut – Impulskontrolle und Konzentration sind vorübergehend schwerer verfügbar. Dein Hund will dich nicht ärgern und testet auch keine Rangordnung. Er ist gerade schlicht schwerer erreichbar. Das ist Biologie, kein Charakterfehler.

Muss ich jetzt strenger werden und mehr durchgreifen?

Genau das ist der häufigste Fehler. Härtere Hand, Drill und Druck treffen den Hund in einer ohnehin unsicheren Phase und beschädigen euer Vertrauen. Was jetzt trägt, ist ruhige, verlässliche Orientierung – und weniger Reizüberflutung, nicht mehr.

Hört mein Hund je wieder so gut wie als Welpe?

Ja. Das Gelernte ist nicht weg, es ist gerade nur schwerer abrufbar. Wenn du diese Phase ruhig und verlässlich mit ihm durchträgst, kommt es zurück – oft stabiler als vorher, weil eure Beziehung die Belastung getragen hat.

Dein nächster Schritt

Gemeinsam durch die Flegelphase

Jeder Junghund tickt anders. Im Gespräch schauen wir, wo ihr gerade steht – und wie du ihm ruhige Orientierung gibst, ohne Druck. Mobil in St. Gallen, Thurgau, Appenzell, Toggenburg, Rheintal, Winterthur und Liechtenstein.

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