Simbas Geschichte – Wenn Leinenaggression keine Aggression ist
Steckbrief
Name: Simba
Rasse: Belgischer Schäferhund (Malinois)
Alter: 3 Jahre
Problem: Massive Leinenaggression seit dem Welpenalter
Vorgeschichte: Drei Jahre Hundeschule, mehrere Trainer
Simba kam als Welpe in einen Kurs. Ein aufgeweckter Belgier, neugierig auf die Welt. Seine Halter haben alles richtig gemacht – Hundeschule, Kurse, mehrere Trainer. Trotzdem stand am Ende ein Hund, der an keinem Artgenossen mehr vorbeikommt, ohne auszurasten. Drei Jahre lang. Diese Geschichte zeigt, warum „gut gemeint“ nicht immer „gut gemacht“ bedeutet.
„Hunde vergessen nicht. Sie speichern jede Erfahrung, jede Unsicherheit, jedes Alleingelassen-Werden.“
Was Simba als Welpe „gelernt“ hat
Im ersten Kurs lernte Simba, dass Regenschirme plötzlich aufploppen, wenn man nicht gehorcht. Nennt sich „Impulskontrolle“. Steht wahrscheinlich so im Lehrbuch.
Danach durfte er spielen. Mit allen. Egal wie gross, egal wie alt, egal wie grob. Ein 4 Monate alter Welpe zwischen ausgewachsenen Hunden – wird schon passen. Nennt sich „Sozialisierung“.
Im Junghundekurs ging’s weiter. Nicht aufmerksam? Wurde geschrien. Beim Spielen umgerannt? Passiert halt. Versuchte Schutz bei seiner Halterin zu finden? Die sollte ihn wegschicken. Er soll das ja „selber klären“.
Was Simba wirklich gelernt hat
Unvorhersehbare Dinge passieren ohne Vorwarnung
Grössere Hunde sind eine Bedrohung
Mein Mensch schützt mich nicht
Ich muss alles selbst regeln
Das Ergebnis: Drei Jahre Stress
Die Halter haben alles richtig gemacht. Sie haben bezahlt, sie sind hingegangen, sie haben zugehört. Und trotzdem stand am Ende ein Hund, der an keinem Artgenossen mehr vorbeikommt, ohne auszurasten.
Drei Jahre lang. Drei Jahre Stress. Drei Jahre Umwege. Drei Jahre „wir kriegen das nicht hin“. Dann kamen sie zu mir.
Simba ist nicht aggressiv. Simba hat gelernt, dass ihm niemand hilft. Also übernahm er selbst. Laut. Heftig. Jeden verdammten Tag.
Was Simba wirklich brauchte
Keine neuen Kommandos. Kein Leckerli-Training. Keine Ablenkungsmanöver.
Simba brauchte Menschen, die verstehen, was er die ganze Zeit gesagt hat: „Ich fühle mich nicht sicher. Niemand schützt meinen Raum. Also muss ich es selbst tun.“
Vorher – 3 Jahre lang
Regenschirm = Gefahr
Andere Hunde = Bedrohung
Menschen = keine Hilfe
Ich muss das alleine regeln
Jeden Tag Kampfmodus
Nachher – Heute
Sein Mensch übernimmt
Er darf sich entspannen
Er muss nicht mehr kämpfen
Er ist nicht mehr allein
Endlich Ruhe
Der Weg zur Veränderung
Im Training mit Simbas Haltern ging es nicht um den Hund. Es ging um sie. Um ihre Körpersprache. Um ihre Energie. Um die Frage: Wer führt hier eigentlich?
Sobald seine Menschen verstanden haben, dass sie Simbas Raum schützen müssen – statt ihn in Situationen zu drängen – begann die Veränderung.
Nicht über Nacht. Nicht mit einem Trick. Sondern mit Konsequenz, Klarheit und der Bereitschaft, das eigene Verhalten zu hinterfragen.
„Heute läuft Simba an anderen Hunden vorbei. Entspannt. Ohne Theater. Nicht weil wir ihn mit Leckerlis vollgestopft haben – sondern weil seine Menschen verstanden haben, was er die ganze Zeit gebraucht hat: Jemanden, der für ihn da ist.“
Hunde vergessen nicht. Aber sie können neu lernen.
Wenn der Mensch bereit ist, sich zu verändern.
Was wir von Simba lernen können
Die wichtigsten Erkenntnisse
1. Gut gemeint ist nicht gut gemacht. Die Halter haben alles „richtig“ gemacht – nach dem, was ihnen beigebracht wurde. Das Problem lag in der Methode, nicht bei ihnen.
2. Welpen brauchen Schutz, keine „Abhärtung“. Ein Welpe, der lernt, dass sein Mensch ihn nicht schützt, wird sich selbst schützen – oft ein Leben lang.
3. Leinenaggression ist selten Aggression. Es ist meist ein Hilferuf: „Ich fühle mich nicht sicher.“
4. Der Hund ist nicht das Problem. Simba war nie „aggressiv“ – er war allein gelassen mit Situationen, die ihn überfordert haben.
Erkennst du dich wieder?
Vielleicht hast du auch alles „richtig“ gemacht. Hundeschule, Kurse, Trainer. Und trotzdem steht dein Hund an der Leine und rastet aus.
Das ist nicht deine Schuld. Aber es ist deine Chance, es anders zu machen.
Nicht mit mehr Leckerlis. Nicht mit Strafe. Sondern mit Klarheit, Führung und der Bereitschaft zu verstehen, was dein Hund dir die ganze Zeit sagen will.
Dein nächster Schritt
Lass uns über deinen Hund sprechen
Jede Geschichte ist anders. Im Gespräch schauen wir, wo ihr steht und ob ich die Richtige für euch bin. Kein Verkaufsgespräch – nur ein ehrlicher Austausch.
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